Neuerwerbung des Monats

Neuerwerbung des Monats

Die Neuerwerbung des Monats können Sie im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek kennenlernen. Regelmäßig wird ab dem ersten Tag eines Monats eine neue Überraschung im Original präsentiert und zugleich hier auf der Webseite vorgestellt.

Die ausgewählten Exponate gewähren den Besucherinnen und Besuchern einen guten Einblick in den breit gefächerten Sammlungsbestand der BLB und stellen aktuell getätigte Erwerbungen vor – egal ob unikales Autograph, seltener Notendruck, Kochbuch oder Comic.

Eine Übersicht der Neuerwerbungen des Jahres 2019 finden Sie hier:

Neuerwerbung im Juni: Die weite Welt in Karlsruhe

Robert Kraus: Ohne Geld durch die Welt. Erlebnisse und Reisen zur See und in tropischen Ländern vor 40 Jahren
Durlach: Widmann, 1931
Badische Landesbibliothek, Sign. 119 E 576

Hermann Vogt: Im Paradies der Südsee. Fahrten und Erlebnisse in Neuguinea und im Bismarck-Archipel
Durlach: Widmann, 1931
Badische Landesbibliothek, Sign. 119 E 583

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebte dank stark verbesserter Reisemöglichkeiten und schnellerer Verkehrsmittel das Interesse für ferne Länder auf. Reiseführer entstanden, aber auch Reiseberichte für diejenigen, die nicht selbst reisen konnten oder wollten. Die verbesserte Fototechnik erlaubte es nun auch, die Berichte mit authentischen Bildern zu illustrieren und so dem Verdacht der Fantasterei entgegenzuwirken.

Kürzlich konnte die Badische Landesbibliothek zwei solcher Reiseberichte erwerben, die in Durlach verlegt wurden. Sie stammen aus der Feder eines Marinematrosen bzw. eines Kaufmanns, die von ihren Erfahrungen in der Südsee und in anderen tropischen Regionen erzählen, und sind für die Verhältnisse ihrer Zeit  – sie entstanden Anfang der 1930er-Jahre – reich bebildert.

Da erst seit 1976 durch das Pflichtexemplargesetz systematisch alles in Baden Publizierte in der Badischen Landesbibliothek gesammelt wird, stellen diese beiden Bände eine wertvolle Ergänzung der Dokumentation der badischen Gesellschaft und Verlagslandschaft dar.

Neuerwerbung im Mai: Der Meister von Meßkirch

Der Meister von Meßkirch: katholische Pracht in der Reformationszeit
München: Hirmer, 2017
Badische Landesbibliothek, 119 B 83

Ein namentlich nicht bekannter Maler schuf zwischen ca. 1515 und 1540 eine Vielzahl von Gemälden. Benannt wurde er nach der Kirche St. Martin in Meßkirch, für die er gleich mehrere Altäre malte. Vermutlich erhielt er seine Ausbildung im Umfeld des berühmten Nürnberger Künstlers Albrecht Dürer (1471–1528).

Er arbeitete häufig im Auftrag der Herren von Zimmern, eines einflussreichen südwestdeutschen Adelsgeschlechts. Für diese illuminierte er auch eine Handschrift, die sich heute in der Badischen Landesbibliothek befindet, das sog. Stundenbuch Wilhelm Werners von Zimmern.

Jedes Jahr werden kostbare Werke aus den Sammlungen der Badischen Landesbibliothek in Ausstellungen europaweit gezeigt. Das Zimmernsche Stundenbuch war 2017 in Stuttgart zu sehen und hatte damit nur einen vergleichsweise kurzen Weg zurückzulegen. Andere Werke der Badischen Landesbibliothek reisten in den letzten Jahren in Museen von Breslau über Utrecht und Paris bis hin nach Barcelona.

Neuerwerbung im April: Hans Thoma-Autograph

Hans Thoma: Brief an einen Auftraggeber
Kronberg im Taunus, 29. August 1899
Badische Landesbibliothek, K 3443,1

Kürzlich erwarb die Badische Landesbibliothek einige Briefe des badischen Malers Hans Thoma (1839–1924). Unter diesen befindet sich ein besonders interessanter, in dem der Künstler recht ausführlich den Prozess des Porträtmalens beschreibt. Er nimmt darin auch mehrfach Bezug auf seinen anstehenden Umzug nach Karlsruhe.

Thoma lebte mit seiner Familie nach einer langen Phase in Frankfurt erst seit kurzer Zeit in Kronberg im Taunus, als er 1899 an die Großherzogliche Kunstschule in Karlsruhe berufen und zum Direktor der Karlsruhe Kunsthalle ernannt wurde. Die Leitung der Kunsthalle übte er bis ins hohe Alter, noch bis ins Jahr 1920 aus. Von 1903 bis 1918 war er zudem Mitglied der Ersten Kammer des badischen Landtags.

Im gezeigten Brief schreibt er:

Cronberg, Taunus  29 August 1899

Hochverehrter Herr!

Durch meine Berufung nach Karlsruhe kam so viel Arbeitsanhäufung daß ich jetzt erst das Portrait Ihres seligen Herrn Vaters fertig habe. Wie es ist darüber habe ich selbst jetzt kein rechtes Urtheil, es ist ja immer eine mißliche Sache so ein Bild nach der Photographie zu malen, man ist gezwungen sich getreu an das in derselben gegebene zu halten sonst verliert auch die Erinnerung welche man an Dahingeschiedene hat ganz ihren Halt. –

Ich meine daß es in der Farbenabstimmung ein ziemlich getreues Bild giebt – freilich wäre es ja was ganz anders geworden  wenn ich es nach dem Lebendigen hätte malen können; – so aber muß man manche Wünsche unterdrücken und das nehmen was eben möglich ist den […] noch zu erreichen.

Ich warte nur noch auf den Rahmen und werde dann in etwa 14 Tagen das Bild abschicken können. Bitte sagen Sie mir ob ich das bild mit der Photographie nach St Blasien schicken darf oder ob ich es an Sie nach Pforzheim schicke. –

Im Oktober siedle ich nach Karlsruhe über möchte aber das Bild wenn möglich von hier noch fortschicken.

Hochachtungsvoll

Ihr ergebener

Hans Thoma

Neuerwerbung im März: Lernmaterialien zur Medizin

Lernmaterialien zur Medizin

Lernmaterialien zur Medizin

Der Gesetzgeber hat die Badische Landesbibliothek und die Württembergische Landesbibliothek beauftragt, von allen in Baden-Württemberg erscheinenden Publikationen ein Exemplar als sogenanntes Pflichtexemplar in ihren Bestand aufzunehmen, zu verzeichnen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sinn dieser Regelung ist es, die gesamte Medienproduktion eines Landes an einer Stelle zu sammeln und als Kulturgut und Forschungsquelle für die Nachwelt in öffentlichem Besitz gesichert aufzubewahren.

Beispiele für neu erworbene Pflichtexemplare sind die ausgestellten Lernmaterialien für medizinische Studiengänge und zur Vorbereitung auf den Test für medizinische Studiengänge (TMS).

Die TMS-Vorbereitung / Dr. med. Fabian Rengier (Hrsg.) ; unter Mitarbeit von: Patrick Schelb
Band 1. Muster zuordnen im Medizinertest / Dr. med. Fabian Rengier (Hrsg.) ; unter Mitarbeit von: Patrick Schelb. - 3. Auflage. - Heidelberg : smartmedix, [2018]. 
Badische Landesbibliothek, 119 K 158,1

Die TMS-Vorbereitung / Dr. med. Fabian Rengier (Hrsg.)
Band 2. Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis im Medizinertest / Dr. med. Fabian Rengier (Hrsg.) ; unter Mitarbeit von: Stephan Blüthgen. - 3. Auflage. - Heidelberg : smartmedix, [2018].
Badische Landesbibliothek, 119 K 158,2

Smartmedix Anatomie Box 1. 
178 Lernkarten allgemeine Anatomie und Embryologie, Knochen, Bänder und Gelenke, Rumpfwand und Extremitäten / Fabian Rengier, Autor. - 5. Auflage. - Heidelberg : Fabian Rengier Verlag und Medien, smartmedix, 2018. 
Badische Landesbibliothek, 119 G 147,1

Smartmedix Anatomie Box 2. 
172 Lernkarten Brust-, Bauch- und Beckeneingeweide / Maximilian Pfau. - 6. Auflage. - Heidelberg : Fabian Rengier Verlag und Medien, Smartmedix, 2019. 
Badische Landesbibliothek, 119 G 146,2

Neuerwerbung im Februar: Der Artusritter Wigalois

Manfred Schwab/Isidre Monés: Die phantastischen Abenteuer des Glücksritters Wigalois nach dem Versepos des Ritters Wirnt von Gräfenberg
Forchheim: Kulturamt, 2011
Badische Landesbibliothek, 118 F 834

Kürzlich gelang der Badischen Landesbibliothek ein seltener Coup: Sie erwarb die eine von nur zwei illustrierten mittelalterlichen Handschriften mit der Geschichte des Artusritters Wigalois. Die Handschrift gehörte früher zur Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen. Die deutschsprachigen Handschriften dieser Sammlung befinden sich seit 1995 überwiegend in der BLB; zu ihnen gehört auch die Nibelungenliedhandschrift C, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Mit dem Wigalois findet ein weiterer Teil der Sammlung in seinen Kontext zurück.

Wigalois war der Sohn des berühmteren Ritters Gawain und erlebt in der Erzählung des fränkischen Adligen Wirnt von Grafenberg aus dem 13. Jahrhundert verschiedene Abenteuer. Seine Geschichte ist hier als Comic verarbeitet. Der originale mittelhochdeutsche Text mit den Bildern aus dem 15. Jahrhundert kann in den Digitalen Sammlungen der BLB bestaunt werden.

Neuerwerbung im Januar: Historische Taschenatlanten

Atlas Geographique, contenant la Mappe-monde et les quatres Parties avec les differents Etats d'Europe (nach Giovanni Antonio Rizzi-Zannoni). Paris: Lattré, 1762
Badische Landesbibliothek, 118 E 3229 R

Johann Gottfried Gregorii: Continuirter Atlas Portatilis Germanicus Oder Compendieuse Vorstellung Teutschlandes denen Liebhaber der Geographie und sonderlich der Jugend zum Besten… Nürnberg: Weigel, 1723
Badische Landesbibliothek, 118 E 3225 R

Die Kartographie nahm seit dem Zeitalter der Entdeckungen am Beginn der frühen Neuzeit einen rasanten Aufschwung. Das Kartenmaterial wurde immer genauer und umfangreicher. Damit entstand auch ein Markt für Landkarten im Taschenformat, die sich auf Reisen leichter mitführen ließen als die sonst üblichen großformatigen Karten. Eine Reihe kostbarer kleiner Taschenatlanten konnte die Badische Landesbibliothek kürzlich erwerben.

Der Atlas als eine gezielte Zusammenstellung mehrerer Karten, die in einem meist festen Einband zusammengeführt wurden, fand gerade im 17. und 18. Jahrhundert weite Verbreitung. Den Begriff „Atlas“ für eine solche Kartensammlung verwendete erstmals der berühmte Kartograph Gerhard Mercator (1512–1594) am Ende des 16. Jahrhunderts. Er gilt als Vater der modernen Kartographie.