Neuerwerbung des Monats

Neuerwerbung des Monats

Die Neuerwerbung des Monats können Sie im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek kennenlernen. Regelmäßig wird ab dem ersten Tag eines Monats eine neue Überraschung im Original präsentiert und zugleich hier auf der Webseite vorgestellt.

Die ausgewählten Exponate gewähren den Besucherinnen und Besuchern einen guten Einblick in den breit gefächerten Sammlungsbestand der BLB und stellen aktuell getätigte Erwerbungen vor – egal ob unikales Autograph, seltener Notendruck, Kochbuch oder Comic.

Eine Übersicht der Neuerwerbungen des Jahres 2020 finden Sie hier:

Neuerwerbung im Juli: Historischer Taucheranzug

Louis Du Temple: Du scaphandre et de son emploi à bord des navires
Paris: Bertrand, 1860 (?)
Badische Landesbibliothek, 120 E 694 R

Passend zum beginnenden Sommer denken viele an Wassersport. Aber wussten Sie, dass schon im Mittelalter Taucheranzüge entworfen wurden – wenn auch zu militärischen Zwecken? Dabei ging es vor allem auch um den Kälteschutz. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde konkreter über eine externe Luftversorgung nachgedacht, um dem Taucher einen längeren Aufenthalt unter Wasser zu ermöglichen. Fortschritte in der Physik, beispielsweise im Wissen über Eigenschaften und Verhalten von Gasen, führten zu Weiterentwicklungen von Tauchkleidung. Die ursprünglichen Tauchglocken, die eher wie U-Boote funktionierten, wurden immer kleiner, bis am Ende nur ein immer handlicherer Helm an einem wasserdichten Anzug übrigblieb.

An der Weiterentwicklung von Tauchausrüstung beteiligte sich auch der französische Marineoffizier Jean-Louis Rivallon de la Croix Du Temple (1819–1889). Als Absolvent der Marineakademie Ecole navale in Brest machte er Karriere in der Kriegsmarine und arbeitete später als Ingenieur.

Neuerwerbung im Juni: Ludwig van Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130

Ludwig van Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130 (Partitur)
Kassel: Bärenreiter, 2019
Badische Landesbibliothek, LS: Tz 9723 (M 30215)

Nach dem Tod des Komponisten Ludwig van Beethoven erlebte das originale Manuskript des Werkes ein merkwürdiges Schicksal: Es wurde satzweise zerlegt und gelangte an verschiedene Besitzer. So wird der erste Satz heute in der Biblioteka Jagiellońska in Krakau aufbewahrt, der zweite Satz in der Library of Congress in Washington, D.C., der dritte in der Pariser Bibliothèque nationale de France, der vierte im Mährischen Landesmuseum des Musikhistorischen Instituts in Brünn, der fünfte und sechste in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz zu Berlin. Die letzten 9 Takte des 3. Satzes befinden sich in der Badischen Landesbibliothek (Don Mus. Autogr. 2) als Bestandteil der Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen.

Die heute über sechs verschiedene Bibliotheken verstreuten Teile des Autographs wurden nun in einem Faksimile des Bärenreiter-Verlags erstmals seit über 190 Jahren wieder vereint. Das neue Faksimile erschien anlässlich des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven in diesem Jahr.

Neuerwerbung im Mai: Historische Anleitung zur Untersuchung epidemischer Krankheiten

Louis Lépecq de la Cloture: Anleitung für Aerzte nach Hippokratischen Grundsätzen epidemische Krankheiten zu beobachten…
Leipzig: Weygand, 1785
Badische Landesbibliothek, 120 E 556

Die Erforschung von Epidemien hat eine lange Tradition. Bis ins 19. Jahrhundert hinein orientierten sich Ärzte bei der Beschreibung und Erklärung von Krankheiten am Corpus Hippocraticum, einer antiken Sammlung medizinischer Schriften. Auch der französische Arzt und Professor für Chirurgie Louis Lépecq de la Cloture (1736–1804) folgte den Lehrsätzen des berühmten griechischen Arztes Hippokrates.

1770 wurde Lépecq von der französischen Regierung beauftragt, den Ausbruch verschiedener Krankheiten in der Normandie zu untersuchen. Seine Ergebnisse fasste er in einer Anleitung für Ärzte, wie epidemische Krankheiten zu beobachten seien, zusammen. Sie erschien 1776 und wurde 1785 ins Deutsche übersetzt. Beeinflusst vom Geist der Aufklärung und nach streng empirischer Methode definierte er darin nicht nur einen umfangreichen Kriterienkatalog und „worauf die Aufmerksamkeit des beobachtenden Arztes gerichtet seyn soll, und welche Gegenstände er besonders bemerken muß“, sondern fügte seiner Abhandlung auch eine Beschreibung des epidemischen Verlaufs und eine umfassende Dokumentation von Fallgeschichten bei. 

Für seine medizinischen Verdienste wurde Lépecq de la Cloture 1781 von Ludwig XVI. in den Adelsstand erhoben. Justus Hecker, der Begründer der Historischen Seuchenpathologie, zählte ihn „zu den ausgezeichneten hippokratischen Aerzten des achtzehnten Jahrhunderts“ und würdigte insbesondere seine Leistungen auf dem Gebiet der Volkskrankheiten.


Neuerwerbung im April: Rebecca Saunders: „Oh yes & I“ für Sopran und Bassflöte

Die in Berlin lebende britische Komponistin Rebecca Saunders (geb. 1967) ist eine der führenden internationalen Vertreterinnen ihrer Generation. Sie studierte Komposition bei Nigel Osborne an der University of Edinburgh sowie bei Wolfgang Rihm an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Rebecca Saunders Musik wurde bereits von vielen renommierten Ensembles, Solisten und Orchestern gespielt und uraufgeführt. Für ihre Kompositionen hat sie zahlreiche international renommierte Preise erhalten, darunter den Ernst von Siemens Musikpreis 2019.

Rebecca Saunders Musik wird seit 1997 bei der Edition Peters verlegt.

Bibliographische Angaben zum ausgestellten Werk:
Rebecca Saunders: Oh yes & I : for soprano and bass flute : (2017/2018). - Performing score. - Leipzig ; London ; New York : Edition Peters, [2019]. Badische Landesbibliothek, M 30065

Neuerwerbung im März: Briefe von Reinhold Schneider

Brief von Reinhold Schneider an Eva-Juliane Meschke (Freiburg, 23. September 1947)
Badische Landesbibliothek, K 3451,8
Brief von Eva-Juliane Meschke an Reinhold Schneider (Viggbyholm, 5. September 1947)
Badische Landesbibliothek, K 2875

Der badische Dichter und Schriftsteller Reinhold Schneider (19061958) galt als Symbolfigur der inneren Emigration und als Mahner für den Frieden während des 2. Weltkriegs und in der frühen Bundesrepublik. Viele seiner grundlegenden Ansichten spiegeln sich besonders intensiv in den zehntausenden Briefen, die er mit zahlreichen Bekannten im In- und Ausland wechselte und die sich in seinem Nachlass erhalten haben.

Zur Ergänzung des umfangreichen Reinhold Schneider-Archivs, das die Badische Landesbibliothek pflegt, erhielt die BLB nun ein Konvolut Briefe Schneiders an das Pfarrerehepaar Meschke, das 1939 nach Schweden floh. Die Meschkes waren eng vernetzt mit den Kreisen der Bekennenden Kirche und u.a. befreundet mit Jochen Klepper, dessen als nicht-arisch geltender Stieftochter sie zur Ausreise über Schweden nach England verhalfen.

Die erhaltene Korrespondenz mit Schneider reicht von 1942 bis 1955, begann aber wohl bereits einige Jahre früher. Die neu erworbenen Briefe von Schneider an Eva-Juliane Meschke stellen die sog. Gegenüberlieferung zu jenen Briefen von, die Schneider aus Schweden erhielt und die sich in seinem Nachlass befinden. Somit kann die Korrespondenz zwischen diesen beiden nun vollständig und zusammenhängend gelesen werden.

Neuerwerbung im Februar: Badische Trachten

Badische Landestrachten, dargestellt und beschrieben durch den Maler Rudolf Gleichauf in den Jahren 1861 bis 1869, bearb. v. Brigitte Heck
Ubstadt-Weiher: verlag regionalkultur, 2019
Badische Landesbibliothek, 119 B 1828

Georg Maria Eckert: Das Sammeln der badischen Volkstrachten und Hausgeräte
(Handschrift) Karlsruhe, 1899
Badische Landesbibliothek, 119 B 1828

Im 19. Jahrhundert nahm das Interesse an regionalen Traditionen zu. Auch im Großherzogtum Baden erfuhr die volkskundliche Beschäftigung mit Bräuchen, Trachten usw. zunehmende Förderung. Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise suchten besonders intensiv den Kontakt zur Bevölkerung in den ländlichen Regionen.

1861 beauftragte die badische Regierung den Maler Rudolf Gleichauf (1826–1896) mit der Anfertigung von Bildern, die verschiedene Trachten des badischen Gebietes dokumentieren sollten. Es entstanden 39 Aquarelle, die Gleichauf zusammen mit einer ausführlichen Beschreibung veröffentlichen wollte, wozu es jedoch nicht kam.

In ähnlichem Auftrag bereiste einige Jahrzehnte später Georg Maria Eckert (1828–1901) ganz Baden und dokumentierte nicht nur, was er sah, sondern erwarb auch eine Vielzahl von Trachten und anderen Alltagsgegenständen für die Großherzoglichen Sammlungen. Eine eigenhändige Abschrift seines Berichts über diese Reisen überreichte er der Großherzogin. Es hat sich in der Sammlung erhalten, die 1995 aus der Bibliothek des Neuen Schlosses in Baden-Baden an die Badische Landesbibliothek überging.

Neuerwerbung im Januar: Atlas portatif politique

Jean-Baptiste Courtalon: Atlas élémentaire où l'on voit … l'État actuel de la Constitution Politique de l'Empire d'Al[l]emagne
Paris: Julien, 1774
Badische Landesbibliothek, 119 F 828 R

Der Priester Jean-Baptiste Courtalon (1740–1797) hatte schon früh in seiner Laufbahn eine (niedere) Position am französischen Königshof inne: Er war einer von vielen Klerikern der Schlosskapelle von Versailles. Gleichzeitig versah er die Aufgaben eines Präzeptors der Pagen verschiedener Damen der Königsfamilie zur Zeit Ludwigs XV. und Ludwigs XVI., darunter Maria Josepha von Sachsen, die Ehefrau des späteren Königs Ludwig XVI., und nach deren Tod 1767 die Gattin des späteren Königs Ludwig XVIII., Maria Josepha von Savoyen.

Courtalon begeisterte sich neben seinem Beruf auch für die Kartographie. So erfand er ein Gerät, das über einen Rollenmechanismus eine durchlaufende Betrachtung mehrerer Karten hintereinander ermöglichte. Sein einziges veröffentlichtes Werk ist der hier gezeigte Atlas, der die damalige politische Situation im Deutschen Reich abbildet und an dem er zehn Jahre lang arbeitete. Er verwendete dabei Kartenmaterial aus unterschiedlichen Quellen als Vorlage und kombinierte es mit Übersichtstafeln, welche die deutschen Machtstrukturen verdeutlichen sollten.

Dieses Werk wurde von den Zeitgenossen hoch geschätzt und sicherte Courtalon auch noch während der Französischen Revolution Einnahmen. Es galt als äußerst nützlicher Wegweiser durch die aus französischer Sicht labyrinthischen Gegebenheiten im stark zersplitterten und von Kleinstaaten geprägten Deutschland.