Das Paradies – ein unerreichbares Ziel?

Gott segnet die paradiesische Schöpfung
In: Biblia. Dat ys: De gantze Hillige Schrifft
Magdeburg, 1554

In der Frühen Neuzeit wurde es durch neue geographische Erkenntnisse immer schwieriger, auf der Erdkugel einen realen, aber zugleich unerreichbaren Ort für das Paradies zu bestimmen. Martin Luther hielt an der historischen Wahrheit der biblischen Schriften fest und war überzeugt, dass es den Garten Eden tatsächlich gegeben hatte, er jedoch durch den Sündenfall zerstört und seine Reste in der Sintflut vollständig ausgelöscht wurden.

Auf dieser Illustration der Luther-Bibel segnet Gottvater nach der Schöpfung das vollkommene Universum. Die Erde ist als paradiesische Landschaft dargestellt, in der Adam und Eva in Harmonie mit Pflanzen und Tieren leben.

Landesbibliothek Oldenburg, THEOL II A a 21

 

Karte des Paradieses
Aus: Gerhard Mercator und Iodocus Hondius: Atlas minor
Amsterdam, 1628

Auf dieser kolorierten Karte aus dem Atlas minor ist das Paradies nur sehr klein am Rand auf einer von Flussarmen umgebenen Landzunge angedeutet. Der Kartentitel Paradisus und die große Kartusche mit der Darstellung des Sündenfalls verdeutlichen jedoch das zentrale Thema der Karte. Laut der biblischen Beschreibung ergießen sich aus dem Paradies vier Ströme in die Welt: Euphrat, Tigris, Gehon und Physon. Gelehrte favorisierten die Vorstellung von einem einzigen Paradiesstrom, der sich in vier Arme teilt. Diese These traf auf das natürliche Flusssystem im babylonischen Tiefland zu und wurde hier visuell aufgegriffen.

Sammlung Remmers

Ansicht des Paradieses
In: Athanasius Kircher: Arca Noë
Amsterdam, 1675

Athanasius Kircher (1602–1680) war einer der größten Gelehrten des Barockzeitalters. Er übernahm Luthers Vorstellung, dass die Überreste des Paradieses durch die Sintflut zerstört worden seien und der Verlauf der Flüsse sich geändert habe, vermutete aber wie Calvin, dass sich der Garten Eden in Mesopotamien befunden habe. Auf dieser Karte rekonstruiert Kircher den Zustand des Paradieses vor und nach dem Sündenfall. Das quadratische Gartenareal ist inmitten der mesopotamischen Ebene platziert. Vom Gebirge fließen Euphrat und Tigris zum Paradies und vereinigen sich in einem See beim Baum des Lebens. Von dort nehmen die Flüsse Gehon und Physon ihren Ausgang. 

Landesbibliothek Oldenburg, GE III 1 B A 6
zum Digitalisat der Uni Freiburg

Variation zur Lage des verschollenen Paradieses
In: Samuel Borchart: Geographia Sacra
Utrecht, 1692 

Die französischen Theologen Samuel Borchart (1599– 1667) und Pierre-Daniel Huet (1630–1721) entwickelten gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Thesen des Reformators Johannes Calvin zur Lokalisierung des Paradieses weiter. Borchart stellt das Paradies auf dieser Karte als baumreiche Landschaft zu beiden Seiten des vereinigten Stromes dar. Die Region Eden umfasst hier sowohl den Zusammenfluss von Euphrat und Tigris als auch den weiter südlich liegenden Bereich, an dem sich der Strom in zwei Arme teilt. Wie auch Huet vermutet Borchart das Paradies weit im Süden, wo Berichten zufolge die Schönheit und Fruchtbarkeit des Landes ebenfalls auf das frühere Paradies hinweisen.

Landesbibliothek Oldenburg, THEOL I D 50: 3